Authors

  • Taschmatowa Narigisa Rustamowna

Author Biography

  • Taschmatowa Narigisa Rustamowna

    Usbekische Staatliche Universität für Weltsprachen

     

DOI:

https://doi.org/10.71337/inlibrary.uz.mead.118534

Abstract

In diesem Artikel wird die Rolle der Mitigationslexik im Prozess des Deutschunterrichts untersucht. Die Autoren analysieren die funktionalen Merkmale der Mitigationsmittel in der deutschen Sprache, ihr pragmatisches Potenzial und methodische Aspekte der Vermittlung von Strategien zur Abschwächung von Äußerungen. Besondere Aufmerksamkeit wird der vergleichenden Analyse von Mitigationsmitteln in der deutschen und russischen Sprache sowie den Problemen der Herausbildung pragmatischer Kompetenz bei Lernenden gewidmet. Es werden praktische Empfehlungen für die Arbeit mit Mitigationslexik auf verschiedenen Stufen des Fremdsprachenunterrichts gegeben.


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

346

MITIGATIONSLEXIK IM DEUTSCHUNTERRICHT

Taschmatowa Narigisa Rustamowna

Usbekische Staatliche Universität für Weltsprachen

Zusammenfassung

In diesem Artikel wird die Rolle der Mitigationslexik im Prozess des

Deutschunterrichts untersucht. Die Autoren analysieren die funktionalen Merkmale

der Mitigationsmittel in der deutschen Sprache, ihr pragmatisches Potenzial und

methodische Aspekte der Vermittlung von Strategien zur Abschwächung von

Äußerungen. Besondere Aufmerksamkeit wird der vergleichenden Analyse von

Mitigationsmitteln in der deutschen und russischen Sprache sowie den Problemen der

Herausbildung pragmatischer Kompetenz bei Lernenden gewidmet. Es werden

praktische Empfehlungen für die Arbeit mit Mitigationslexik auf verschiedenen Stufen

des Fremdsprachenunterrichts gegeben.

Schlüsselwörter:

Mitigationslexik,

Modalpartikeln,

pragmatische

Kompetenz,

deutsche

Sprache,

Kommunikationsstrategien,

interkulturelle

Kommunikation.

Die moderne Linguodidaktik befasst sich aktiv mit funktionalen Aspekten des

Fremdsprachenunterrichts und legt besonderen Wert auf die Entwicklung

kommunikativer und pragmatischer Kompetenzen bei den Lernenden. In diesem

Ansatz liegt der Schwerpunkt nicht nur auf der grammatikalischen Korrektheit der

Sprache,

sondern

auch

auf

ihrer

Angemessenheit

in

verschiedenen

Kommunikationssituationen.

Einer

der

wichtigsten

Aspekte

erfolgreicher

Kommunikation ist die Beherrschung von Strategien zur Abschwächung von

Äußerungen, die durch Mitigationslexik umgesetzt werden.

Mitigationslexik (vom lateinischen mitigare - mildern, beruhigen) stellt eine

Gesamtheit sprachlicher Mittel dar, die darauf abzielen, die Kategorik einer Äußerung

zu reduzieren und Unsicherheit, Zweifel oder Vermutung auszudrücken [1]. Diese

Mittel spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Höflichkeitsprinzips, tragen


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

347

zur Herstellung und Aufrechterhaltung harmonischer Beziehungen zwischen den

Kommunikationspartnern bei und helfen, kommunikative Misserfolge und Konflikte

zu vermeiden.

In der deutschen Sprachkultur nehmen Mitigationsmittel eine besondere Rolle

ein, was sowohl auf sprachliche als auch auf außersprachliche Faktoren

zurückzuführen ist. Die deutsche Sprache verfügt über ein reichhaltiges Arsenal an

Mitteln zur Abschwächung von Äußerungen, zu denen lexikalische,

grammatikalische und syntaktische Einheiten gehören. Ihre Verwendung wird durch

ein komplexes System sozio-kultureller Normen und Konventionen reguliert, die für

Deutschlernende erhebliche Schwierigkeiten darstellen können.

Die Untersuchung der Mitigationslexik ist besonders relevant im Kontext des

Deutschunterrichts,

da

unzureichende

Beherrschung

von

Strategien

zur

Abschwächung von Äußerungen zu kommunikativen Misserfolgen und zur Bildung

negativer Stereotype über Muttersprachler führen kann. Wie J. House feststellt,

"werden pragmatische Fehler von Muttersprachlern negativer wahrgenommen als

grammatikalische, da sie nicht nur die Ausdrucksform, sondern die Persönlichkeit des

Gesprächspartners betreffen" [5].

Ziel dieses Artikels ist es, die Besonderheiten der Vermittlung von

Mitigationslexik im Deutschunterricht zu analysieren. Die Autoren stellen sich

folgende Aufgaben: die Haupttypen der Mitigationsmittel in der deutschen Sprache

zu betrachten; ihre Funktionen in verschiedenen Kommunikationssituationen zu

identifizieren; effektive Methoden für die Arbeit mit Mitigationslexik auf

verschiedenen Stufen des Fremdsprachenlernens vorzuschlagen.

Typologie der Mitigationsmittel in der deutschen Sprache

Das System der

Mitigationsmittel in der deutschen Sprache zeichnet sich durch erhebliche Vielfalt

aus und umfasst Einheiten verschiedener Sprachebenen. Basierend auf der Analyse

wissenschaftlicher Literatur [4], [7], [6] und eigenen Beobachtungen der Autoren

kann folgende Klassifikation der Mitigationsmittel vorgeschlagen werden:

Zu den lexikalischen Mitteln der Mitigation gehören Modalpartikeln wie

eigentlich, ja, doch, wohl, mal, eben, halt, vielleicht. Hierzu können auch


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

348

Modalwörter gezählt werden: vermutlich, wahrscheinlich, offensichtlich,

anscheinend. Einen wichtigen Platz nehmen Approximatoren (ungefähre

Bezeichnungen) ein: ungefähr, etwa, fast, praktisch, sozusagen, sowie Limitationen:

gewissermaßen, in gewisser Hinsicht, relativ, ziemlich, einigermaßen.

Zu den grammatischen Mitteln der Mitigation gehören der Konjunktiv II in

der Höflichkeitsfunktion (Höflichkeitskonjunktiv): Könnten Sie bitte..., Hätten Sie

einen Moment Zeit...; Präteritum der Modalverben: Ich wollte fragen, ob...;

Passivkonstruktionen: Es wird angenommen, dass...; unpersönliche Konstruktionen:

Man könnte sagen, dass...

Zu den syntaktischen Mitteln der Mitigation gehören einleitende

Konstruktionen: meiner Meinung nach, wie ich glaube, soweit ich weiß; Nebensätze

mit einschränkender Semantik: wenn ich das richtig verstanden habe, falls ich mich

nicht irre; Fragestrukturen anstelle von Aussagen: Wäre es nicht besser, wenn...?;

Litotes (Verneinung des Gegenteils): nicht uninteressant, nicht ganz unbedeutend.

Diese Klassifikation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vermittelt

jedoch einen Eindruck von der Vielfalt der Mitigationsmittel in der deutschen

Sprache.

Von besonderem Interesse sind Modalpartikeln, die ein charakteristisches

Merkmal der deutschen Sprache sind und in vielen anderen Sprachen, einschließlich

des Russischen, keine direkten Entsprechungen haben. Wie H. Weydt feststellt,

"spiegeln Modalpartikeln die Einstellung des Sprechers zur Äußerung und zum

Gesprächspartner wider und schaffen eine besondere Kommunikationsatmosphäre,

die mit den Mitteln anderer Sprachen schwer zu vermitteln ist" [7].

Hier sind Beispiele für die Verwendung von Modalpartikeln in der Funktion

der Abschwächung einer Äußerung:

Das ist ja eine schwierige Frage.

Könnten Sie mir mal helfen?

Das stimmt eigentlich nicht.

Das ist doch nicht so schlimm.

Das ist wohl ein Missverständnis.


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

349

Wie aus den Beispielen ersichtlich, tragen Modalpartikeln zur Abschwächung

der Äußerung bei, machen sie weniger kategorisch und für den Gesprächspartner

akzeptabler.

Pragmatische Funktionen der Mitigationslexik

Mitigationsmittel erfüllen

in der Kommunikation eine Reihe wichtiger Funktionen. Zunächst ist die

Höflichkeitsfunktion zu nennen. Die Verwendung von Mitigationsmitteln ermöglicht

die Einhaltung des von P. Brown und S. Levinson formulierten Höflichkeitsprinzips

[3]. Nach dieser Theorie impliziert Höflichkeit die Sorge um das "Gesicht" des

Gesprächspartners, d.h. um sein positives Selbstbild. Mitigationsmittel ermöglichen

den Schutz sowohl des "negativen Gesichts" des Gesprächspartners (sein Wunsch,

unabhängig und frei von Einmischung zu sein) als auch des "positiven Gesichts"

(Wunsch, verstanden und akzeptiert zu werden).

Zum Beispiel ist bei der Äußerung einer Bitte

Gib mir das Buch!

die

Formulierung direkt und potenziell bedrohlich für das "negative Gesicht" des

Gesprächspartners. Während

Könntest du mir bitte das Buch geben?

eine

abgeschwächte Äußerung unter Verwendung des Konjunktivs und einer höflichen

Partikel darstellt.

Ebenso bedeutsam ist die Funktion der Reduktion von Kategorik.

Mitigationsmittel ermöglichen es, die Kategorik einer Äußerung zu reduzieren und

sie als eine von möglichen Meinungen darzustellen, nicht als absolute Wahrheit. Bei

der Äußerung von Kritik klingt beispielsweise

Das ist falsch

kategorisch, während

Das scheint mir nicht ganz richtig zu sein

eine nicht-kategorische Äußerung unter

Verwendung eines Modalverbs und einer Limitation darstellt.

Es ist wichtig, die Funktion der Herstellung und Aufrechterhaltung von

Kontakt zu beachten. Mitigationsmittel tragen zur Schaffung einer Atmosphäre des

Vertrauens und der Zusammenarbeit bei, was besonders in den Anfangsphasen der

Kommunikation wichtig ist. Äußerungen wie

Ich hätte da eine Frage...

mit

Verwendung des Konjunktivs zur Einführung eines Gesprächsthemas oder

Darf ich

vielleicht etwas anmerken?

mit Verwendung eines Modalverbs und einer


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

350

Modalpartikel zum Anschluss an ein Gespräch helfen dabei, Kontakt zum

Gesprächspartner herzustellen.

Darüber hinaus spielen Mitigationsmittel eine wichtige Rolle bei der

Vermeidung und Lösung von Konfliktsituationen, indem sie es ermöglichen,

Uneinigkeit in akzeptabler Form auszudrücken. Zum Beispiel ist

Du hast Unrecht

ein

direkter Ausdruck von Uneinigkeit, potenziell konfliktträchtig, während

Ich sehe das

ein bisschen anders

einen abgeschwächten Ausdruck von Uneinigkeit unter

Verwendung einer Limitation darstellt.

Das Verständnis der pragmatischen Funktionen der Mitigationslexik ist von

zentraler Bedeutung für ihre effektive Vermittlung und Verwendung in der Sprache.

Methodische Aspekte der Vermittlung von Mitigationslexik

Die

Vermittlung von Mitigationslexik stellt eine gewisse Schwierigkeit dar, da sie nicht

nur die Beherrschung sprachlicher Formen erfordert, sondern auch das Verständnis

ihrer Funktionen in verschiedenen kommunikativen Kontexten. Bei der Entwicklung

einer Methodik zur Vermittlung der Mitigationslexik der deutschen Sprache ist es

ratsam, sich an mehrere Prinzipien zu halten.

Zunächst das Prinzip der Kontextualisierung. Mitigationsmittel sollten in

einem Kontext eingeführt und geübt werden, der es ermöglicht, ihre Funktion und

Angemessenheit in einer bestimmten Kommunikationssituation zu verstehen.

Wichtig ist auch das Prinzip des Vergleichs. Es ist effektiv, Äußerungen mit

und ohne Mitigationsmittel zu vergleichen, was es den Lernenden ermöglicht, die

pragmatische Wirkung dieser Mittel zu erkennen.

Bedeutsam ist das Prinzip der kommunikativen Ausrichtung. Die Vermittlung

von Mitigationslexik sollte in die Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten integriert

werden und die Arbeit mit authentischen Materialien sowie die Modellierung realer

Kommunikationssituationen beinhalten.

Nicht zu vergessen ist das Prinzip des interkulturellen Ansatzes. Es ist

notwendig, kulturelle Unterschiede in der Verwendung von Mitigationsmitteln zu

berücksichtigen und bei den Lernenden interkulturelle Kompetenz zu entwickeln.


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

351

Basierend auf diesen Prinzipien kann ein methodisches Modell zur

Vermittlung der Mitigationslexik der deutschen Sprache vorgeschlagen werden, das

mehrere miteinander verbundene Phasen umfasst.

Die Anfangsphase ist die Bekanntmachung mit Mitigationsmitteln im Kontext

authentischer Materialien. In dieser Phase lernen die Studierenden Dialoge,

Interviews, Diskussionen kennen, in denen Mitigationsmittel verwendet werden. Es

ist wichtig, die Aufmerksamkeit der Lernenden auf die pragmatischen Funktionen

dieser Mittel und die Situationen ihrer Verwendung zu lenken. Bei der Arbeit mit

authentischen Texten werden die Lernenden gebeten, Dialoge zu lesen und auf

hervorgehobene Wörter und Ausdrücke zu achten, ihre Funktion zu analysieren und

darüber nachzudenken, wie sich der Dialog verändern würde, wenn sie entfernt

würden.

Die Lernenden können gebeten werden, zwei Dialoge zu vergleichen, zum

Beispiel: "Was hältst du von meinem Vorschlag?" - "Ich finde ihn eigentlich ganz

gut, aber vielleicht könnten wir noch einige Punkte überdenken" und "Was hältst du

von meinem Vorschlag?" - "Ich finde ihn ganz gut, aber wir müssen einige Punkte

überdenken". Während der Diskussion bestimmen die Lernenden, welcher der

Dialoge höflicher klingt, welche Wirkung die hervorgehobenen Wörter erzeugen, in

welchen Situationen der erste Dialog angemessen ist und in welchen der zweite.

Die zweite Phase ist das Training, bei dem die Lernenden verschiedene

Übungen durchführen, die auf die Beherrschung der Form und der Funktionen von

Mitigationsmitteln abzielen. Es ist ratsam, Transformationsübungen zu verwenden,

bei denen die Lernenden aufgefordert werden, kategorische Aussagen in nicht-

kategorische umzuwandeln, wobei sie Mitigationsmittel aus einer Liste verwenden.

Beispielsweise

kann

die

Aussage

"Das

ist

falsch"

in

"Das

ist

möglicherweise/vielleicht/meiner Meinung nach nicht ganz richtig" umgewandelt

werden.

Ebenso effektiv sind Einsetzübungen, bei denen es notwendig ist, Lücken mit

geeigneten Mitigationsmitteln zu füllen: "Ich bin mit Ihrer Entscheidung ______ nicht

einverstanden" (eigentlich, leider, ehrlich gesagt). Nützlich sind Übungen zur


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

352

Umformulierung, bei denen die Lernenden aufgefordert werden, denselben Gedanken

mit anderen Worten auszudrücken, indem sie Mitigationsmittel verwenden. Zum

Beispiel kann die Phrase "Ich will mit dir sprechen" umformuliert werden als "Ich

würde gerne kurz mit dir sprechen, wenn du Zeit hast".

Interessant sind Erkennungs- und Interpretationsübungen, bei denen die

Funktion von Mitigationsmitteln in einer Äußerung bestimmt werden muss. Zum

Beispiel drückt "Das ist ja interessant!" Überraschung oder Interesse aus, und "Das

ist ja furchtbar!" - Mitgefühl.

Die dritte Phase ist die Anwendung von Mitigationsmitteln in Situationen, die

der realen Kommunikation nahe kommen. Hier sind Rollenspiele angebracht, bei

denen die Lernenden Dialoge in verschiedenen Kommunikationssituationen spielen

und dabei Mitigationsmittel verwenden. Zum Beispiel kann eine Situation

vorgeschlagen werden, in der ein Lernender mit der Meinung eines Kollegen in einer

Arbeitsbesprechung nicht einverstanden ist und seine Uneinigkeit in höflicher Form

ausdrücken muss.

Diskussionen sind ebenfalls nützlich, bei denen die Lernenden ein

vorgeschlagenes Thema diskutieren und dabei versuchen, Mitigationsmittel zu

verwenden, um ihre Meinung auszudrücken und auf die Meinungen anderer zu

reagieren. Das Thema einer solchen Diskussion könnte beispielsweise die Frage sein:

"Sollten soziale Netzwerke Inhalte kontrollieren?".

Wichtig sind auch schriftliche Aufgaben, bei denen die Lernenden

aufgefordert werden, eine E-Mail mit höflicher Ablehnung eines Angebots oder

Ausdruck von Kritik zu schreiben. Zum Beispiel hat ein Lernender ein

Kooperationsangebot erhalten, das ihm nicht zusagt, und muss eine höfliche Absage

schreiben.

Die letzte Phase ist die Bewertung und Reflexion, bei der die Beurteilung der

Ausbildung von Fähigkeiten bei der Verwendung von Mitigationslexik und die

Reflexion der Lernenden über ihre Kommunikationsstrategien stattfinden. In dieser

Phase analysieren die Lernenden die Verwendung von Mitigationsmitteln in

vorgeschlagenen Dialogen, bewerten ihre Angemessenheit und Wirksamkeit und


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

353

zeichnen auch ihre Rede (Monolog oder Dialog) auf und analysieren die Verwendung

von Mitigationsmitteln, wobei sie über mögliche Verbesserungen nachdenken.

Mitigationslexik in interkultureller Perspektive

Von besonderem Interesse

ist die vergleichende Analyse der Mitigationsstrategien in der deutschen und

russischen

Sprachkultur.

Untersuchungen

zeigen,

dass

die

deutsche

Kommunikationskultur durch einen höheren Grad der Verwendung von

Mitigationsmitteln im Vergleich zur russischen gekennzeichnet ist [6].

In der deutschen Sprachkultur werden Mitigationsmittel als notwendiges

Element höflicher Kommunikation betrachtet, besonders in formellen

Kommunikationssituationen. Ihr Fehlen kann als Ausdruck von Unhöflichkeit oder

unzureichender Bildung des Sprechers wahrgenommen werden.

In der russischen Sprachkultur wird die Direktheit einer Äußerung oft höher

geschätzt als ihre höfliche Form, besonders in Situationen, in denen die Effektivität

der Kommunikation wichtig ist. Die übermäßige Verwendung von Mitigationsmitteln

kann als Unaufrichtigkeit oder Unsicherheit des Sprechers wahrgenommen werden.

Diese Unterschiede müssen bei der Vermittlung der Mitigationslexik der

deutschen Sprache an russischsprachige Lernende berücksichtigt werden, da sie zur

Interferenz von Kommunikationsstrategien der Muttersprache führen können.

Hier sind Beispiele für typische Situationen, in denen Unterschiede in der

Verwendung von Mitigationsmitteln beobachtet werden:

1.

Ausdruck von Kritik

Deutscher Stil:

"Ihr Vorschlag ist sicherlich

interessant, aber vielleicht könnten wir auch einen anderen Ansatz in Betracht

ziehen."

Russischer Stil:

"Ihr Vorschlag ist interessant, aber es gibt auch einen

anderen Ansatz."

2.

Ausdruck von Uneinigkeit

Deutscher Stil:

"Ich bin da ehrlich gesagt

nicht ganz Ihrer Meinung. Meines Erachtens verhält es sich eher so..."

Russischer Stil:

"Ich stimme Ihnen nicht zu. Meiner Meinung nach verhält es sich anders."

3.

Ausdruck einer Bitte

Deutscher Stil:

"Könnten Sie mir vielleicht kurz

bei diesem Problem helfen, wenn Sie Zeit haben?"

Russischer Stil:

"Helfen Sie mir

bitte bei diesem Problem."


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

354

Das Verständnis dieser Unterschiede hilft, kommunikative Misserfolge in der

interkulturellen Kommunikation zu vermeiden und bei den Lernenden angemessene

Kommunikationsstrategien zu entwickeln.

Schlussfolgerung

Mitigationslexik stellt einen wichtigen Aspekt der

kommunikativen Kompetenz beim Erlernen der deutschen Sprache dar. Ihre

angemessene Verwendung ermöglicht es den Kommunikationsteilnehmern, ihre

Ziele zu erreichen und gleichzeitig harmonische Beziehungen zu bewahren und das

Höflichkeitsprinzip zu beachten.

Eine effektive Vermittlung der Mitigationslexik erfordert einen umfassenden

Ansatz, der nicht nur sprachliche, sondern auch pragmatische, soziokulturelle und

interkulturelle Aspekte der Kommunikation berücksichtigt. Das in diesem Artikel

vorgeschlagene methodische Modell, das auf den Prinzipien der Kontextualisierung,

des Vergleichs, der kommunikativen Ausrichtung und des interkulturellen Ansatzes

basiert, ermöglicht es, bei den Lernenden die Fähigkeiten zur Verwendung von

Mitigationsmitteln in verschiedenen Kommunikationssituationen zu entwickeln.

Vielversprechende Richtungen für weitere Forschungen scheinen zu sein:

Entwicklung eines Systems von Übungen für verschiedene

Sprachniveaus;

Schaffung eines Korpus authentischer Materialien, die die Verwendung

von Mitigationslexik in verschiedenen Kommunikationssituationen demonstrieren;

Durchführung

empirischer

Untersuchungen

zur

Wirksamkeit

verschiedener Methoden zur Vermittlung von Mitigationslexik;

Vertiefte Untersuchung interkultureller Unterschiede in der Verwendung

von Mitigationsstrategien.

Die Aufmerksamkeit für Mitigationslexik im Deutschunterricht wird zur

Herausbildung der kommunikativen Kompetenz bei den Lernenden beitragen, die für

eine erfolgreiche interkulturelle Kommunikation in der modernen globalisierten Welt

notwendig ist.


background image

MODERN EDUCATION AND DEVELOPMENT

Выпуск журнала №-23

Часть–2_ Март –2025

355

LITERATUR

[1] Karasik V.I. Sprachkreis: Persönlichkeit, Konzepte, Diskurs. - M.: Gnosis, 2018.

- 390 S.

[2] Bayer, K. Argument und Argumentation: Logische Grundlagen der

Argumentationsanalyse. - Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007. - 245 S.

[3] Brown, P., Levinson, S. Politeness: Some universals in language usage. -

Cambridge: Cambridge University Press, 1987. - 345 p.

[4] Helbig, G., Buscha, J. Deutsche Grammatik: Ein Handbuch für den

Ausländerunterricht. - Berlin: Langenscheidt, 2017. - 654 S.

[5] House, J. Teaching Pragmatics and Intercultural Communication Online. -

Language Learning and Teaching, 2012. - Vol. 5(3). - P. 38-52.

[6] Siebold, K. Höflichkeit im Deutschen und Spanischen: Ein interkultureller

Vergleich. - Frankfurt am Main: Peter Lang, 2010. - 290 S.

[7] Weydt, H. Abtönungspartikeln im Deutschen: Bedeutung und Kulturspezifik. -

Tübingen: Narr Francke Attempto, 2010. - 178 S.